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Dramen » Walter Löwen   1 Artikel

Die deutsche Tragödie - 198 Seiten
ist eine ideelle Trilogie, mit der Löwen, der ja einer der produktivsten und bühnenwirksamsten Dramatiker ist, die drei tragischsten Fehlschläge der neueren deutschen Geschichte dramatisierte. Von seinen bisher 24 abend-füllenden Bühnenstücken stellen wir zunächst diese drei vor, weil sie so brandaktuell sind. Was sie dazu macht, wird kurz umrissen. Ob sie ein deutsches Theater zu spielen wagt, hängt vom Mut, vom Verständnis für die Themenaktualität und vom Gespür für das Interesse des Publikums ab, den der Intendant jedes Theaters beweist. Dass jedes Stück einen besonderen Theaterabend verheißt, erkennt jeder, der auch nur eine Szene dieses Erzdramatikers liest.

Stück I: "BERNHARD VON WEIMAR": die Bewohner der belagerten Festung Breisach zwingen die katho-lischen Verteidiger, die Kaiserlichen, sich dem Feldherrn der Evangelischen, Herzog Bernhard von Weimar, zu ergeben, der mit dem Kompromiss "Frieden durch Glaubensfreiheit" den Bruderkrieg beenden will. Die Glau-benskrieger beiderseits der Festungsmauern verbrüdern sich, so wie es nach dem Fall der Mauer 1989 geschah. Frankreichs katholischer Kardinal Richelieu, der den evangelischen Feldherrn mit Subsidien unterstützt, um das Heilige Römische Reich Deutscher Nation zu beerben, will sich Breisgau sichern, indem er Bernhard mit seiner heimlichen Tochter Marianne vermählen und beiden Breisgau zur Hochzeit schenken will. Indes reitet der Her-zog nach Kassel zur Markgräfin Amalie, der Witwe seines Jugendfreundes, verlobt sich mit ihr und überredet sie, für den Fall, dass der Jesuit in Wien den Frieden durch Glaubensfreiheit verweigert, sich als Friedensstifterin zur Gegenkaisern ausrufen zu lassen. Als Prinzessin Marianne dies erfährt, nimmt sie sich das Leben. Richelieu setzt Bernhard ab und ernennt General von Erlach zu dessen Nachfolger. Doch alle Regimenter sind bereit, auf den französischen Sold zu verzichten, und entscheiden sich für Bernhard, der, bevor er Amalie zur Gegenkaise-rin proklamieren kann, stirbt - die einen behaupten: an französischen Gift im Wein, die anderen: an der Pest. Nach seinem Tod verwüstet die Kriegsfurie weiter die deutschen Lande. Es ist die erschütterndste Volkstragödie, die sich denken lässt. Wir ahnen, was im Westfälischen Frieden passiert: das Heilige Reich wird von den Kolo-nialimperien in 144 souveräne Territorien zerrissen, bis sich das deutsche Volk dagegen erhebt.

Stück II: "MARX IN KÖLN": am 13. März 1848 erhebt sich das Volk in Wien, am 18. März in Berlin mit der Revolutionshymne "Deutschland, Deutschland über alles". Drei Wochen vor der Wahl der ersten gesamt-deutschen Nationalversammlung kommen Karl Marx und Friedrich Engels, die Führer des "Bundes der Kom-munisten", aus dem Exil nach Köln, um die "Rheinische Zeitung", deren letzter Chefredakteur vor ihrem Verbot Marx war, wiederzubeleben. Mit der Aktionärsversammlung im Hause des Großindustriellen Gustav Mewissen, mit dessen Tochter Bettina früher Engels inoffiziell verlobt war, beginnt die Handlung. Preußens Finanzminister Hansemann, einst Mäzen von Marx, und Innenminister von Manteuffel eilen herbei, um die Wiedergründung der Zeitung zu verhindern. Jenny Marx, die Manteuffel als Kind in Trier auf den Händen trug, und Bettina retten ihr Vorhaben, indem sie Mewissen, der später die Mehrheitsfraktion in der Paulskirche führen wird, überreden, den beiden eine Chance zu geben. Doch gleich in der ersten Nummer greift Marx die Nationalversammlung an, weil sie nicht eine revolutionäre Regierung und eine Revolutionsarmee bildet, um die Feudalordnung zu stürzen. Er inspiriert einen Aufstand gegen die Nationalversammlung, bei dem zwei Abgeordnete getötet werden, wird dafür angeklagt und abermals von Mewissen vor dem Fiasko bewahrt. Als die feudale Reaktion die Konfrontation von Bürgertum und Proletariat nutzt, um die Revolution zu begraben, erzwingt es Mewissen, dass Marx mit der Re-daktion ins Exil darf, weil er keinen Märtyrer des Klassenkampfes zulassen will. Die 40.000 Arbeiterleichen in Paris lehrten ihn, dass Partnerschaft und gerechtes Teilen besser sind als der Sozialwahn, der Marx dazu trieb, die Idee der proletarischen Weltrevolution ad absurdum zu führen. Obwohl es am Ende keinen Leichenberg gibt, ist dies die tiefschürfendste Tragödie der Revolution schlechthin, weil sie zu der Einsicht zwingt, dass weder die nationale noch die soziale Frage mit Blut und Eisen, sondern human nur mit der Vernunft und dem Wahlzettel zu lösen ist. Dies ist eines der wirksamsten und lehrreichsten Dramen überhaupt.

Stück III: "STAUFFENBERG": Hitler hat die Nation gewaltsam im Dritten Reich geeinigt und mit sei-nem Rassenwahn eine unfassbare Diktatur errichtet. Nach sechs Jahren Hitlerdiktatur initiieren die Kolonialim-perien England, Frankreich und Sowjetunion den dritten Krieg gegen die deutsche Einigung (1870, 1914, 1939), diesmal mit dem eindeutigen Ziel, das Dritte Reich auszulöschen. Nach fünf Jahren des Kriegswahnsinns steht das deutsche Volk am Abgrund. Da geschieht am 20. Juli 1944 der größte Revolutionsakt der Weltgeschichte, als Oberst Stauffenberg im Namen von fünf Millionen Deutschen, die den inneren Widerstand gegen die Ge-waltherrschaft tragen, zur Selbstbefreiung von der Nazibarbarei antritt. Zum inneren Widerstand gehören alle verbotenen demokratischen Parteien, die Gewerkschaften und die Kirchen. Ihre Sprecher sind eingeweiht und mit dem Herzen dabei, als Stauffenberg ein Gericht am Schänder des deutschen Namens vollzieht, weil anders der Zweite Weltkrieg nicht zu beenden und die Einheit der Nation nicht in die Freiheit zu retten ist. Zehn Stun-den lang hält er die Macht in der Hand, bis erst Stalin, dann Churchill und zuletzt Roosevelt ihm den Waffen-stillstand verweigern und auf der bedingungslosen Kapitulation bestehen. Als Generaloberst Fromm, Befehlsha-ber im Reich, davon erfährt und hört, dass Hitler das Attentat überlebte, lässt er seinen Stabschef hinrichten, hoffend, sich damit als Doppelverräter vor den Nazis zu retten. In die Gewehrmündungen ruft er: "Es lebe das heilige Deutschland!"
Diese Tragödie hat Walter Löwen, der für den Generalstabsobersten bei dessen geheimem Treffen mit den Führern der russischen und ukrainischen Befreiungsarmeen gedolmetscht hat, zutiefst bewegt, so tief, dass er mit neunzehn Jahren die erste Fassung seiner Tragödie "Stauffenberg" schrieb. Später verifizierte und feilte er sie aus, aber als er sie 1952 in Leipzig uraufführen wollte, verbot das ZK der SED das und sprach das Verdikt gegen die Verschwörung vom 20. Juli 1944 aus. Hätten die "Großen Drei" der Umsturzregierung Beck-Goerdeler-Stauffenberg, die Herr im Reich war, den von ihr erflehten Waffenstillstand und einen Verhandlungs-frieden gewährt, dann wäre der Zweite Weltkrieg am selben Tag in Europa vorbei gewesen, und mindestens dreißig Millionen Kriegsopfer hätten dann nicht sinnlos sterben müssen. Weil das Drama allein schon mit der Darstellung dieser historischen Wahrheit der Anklage gegen die "Großen Drei" gleichkommt, hat bisher nie-mand seine Bühnenweihe gewagt. Bei einer Lesung mit verteilten Rollen war die Wirkung unbeschreiblich. Der Autor hat den Bundestag gebeten, den 20. Juli zum Nationalfeiertag zu erklären und dann jährlich das National-drama "Stauffenberg" zu dessen Ehren aufzuführen. Dann hört das Thema Neonazis endlich auf.
Art.-Nr.: 39218149X
Stück
12,80 EUR
 

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